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Wer gilt in China als Expat und wer als Einwanderer?

Menschen aus aller Welt ziehen weiterhin in chinesische Großstädte wie Hongkong, Peking und Shanghai, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Sie haben oft vieles gemeinsam: Sie lassen Familie und Freunde zurück und begegnen einer neuen, verwirrenden Kultur. Doch eine Sache trennt sie.

Menschen aus den USA und Europa werden häufig als „Expatriates“ oder „Expats“ bezeichnet, während Personen etwa aus Somalia oder Pakistan als „Einwanderer“ gelten.

Warum ist das so, und worin besteht überhaupt der Unterschied – falls es einen gibt?

Laut dem Merriam-Webster-Wörterbuch bezeichnet „expatriate“ jemanden, der „in einem fremden Land lebt“, während „immigrant“ eine Person ist, „die in ein Land kommt, um dort dauerhaft zu wohnen“.

In letzter Zeit wird jedoch über diese Bezeichnungen diskutiert. Manche halten die Definitionen für überholt und meinen, die Wörter stünden heute stärker für Privilegien, ethnische Zugehörigkeit und sozioökonomischen Status.

Passanten vor der britisch gestalteten Bar Old China Hand in Hongkong. (AP Photo/Vincent Yu)

Mawuna Remarque Koutonin, der SiliconAfrica betreibt, schrieb kürzlich im Guardian, dies belege, dass es „im Wortschatz menschlicher Migration noch immer hierarchische Begriffe gibt, die mit dem Ziel geschaffen wurden, weiße Menschen über alle anderen zu stellen“. Er zitierte einen afrikanischen Wanderarbeitnehmer in Europa: „Ich arbeite sowohl im privaten als auch im öffentlichen Sektor für multinationale Organisationen. Doch weil ich Schwarz oder nicht weiß bin, werde ich nicht als Expat bezeichnet. Man nennt mich einen hoch qualifizierten Einwanderer, um politisch korrekt zu sein.“

Wie sieht die Lage also in Hongkong und auf dem chinesischen Festland aus?

Holing Yip, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei Hong Kong Unison, einer Organisation, die sich für politische Reformen zugunsten benachteiligter Angehöriger ethnischer Minderheiten einsetzt, sagte, die Unterscheidung zwischen „Expat“ und „Einwanderer“ verfestige eine bereits schädliche Trennung zwischen Menschen.

„In letzter Zeit wird viel über diese Begriffe gesprochen, und verschiedene Menschen definieren sie unterschiedlich. Ich stimme der Aussage eindeutig zu, dass das Wort ‚Expat‘ mit Privilegien verbunden ist. Interessant ist jedoch, dass es sich um ein wahrgenommenes Privileg handelt – darum, was ich denke, wenn ich jemandem begegne oder jemanden sehe, und wie ich die Person behandle. Häufig hängt dies mit ethnischer Zugehörigkeit und sozioökonomischem Status zusammen.“

Besonders Schulen seien Schauplatz ethnischer Trennung zwischen einheimischen, Expat- und Einwandererkindern; viele Schulen glichen Paralleluniversen, sagte sie.

Als berufstätiger Expat in Hongkong können Sie nach sieben Jahren eine Daueraufenthaltsberechtigung mit umfassenden Rechten und Schutz erhalten. Für Hunderttausende philippinische und indonesische Haushaltshilfen, die sich um die Babys der Stadt kümmern und Badezimmer putzen, bleibt ein Daueraufenthaltsrecht jedoch oft nur ein Traum. Manche Einheimische befürchten, dass die Gewährung dieses Rechts an ausländische Haushaltshilfen und ihre Familien die öffentlichen Systeme überlasten würde.

Das Phänomen „Expat versus Einwanderer“ zeigt sich in vielen chinesischen Städten, die Arbeitskräfte und Fachleute aus der internationalen Gemeinschaft anziehen. Websites für Expats in Peking oder Shanghai zeigen typischerweise Fotos weißer, lächelnder Familien.

InterNations, das weltweit größte Netzwerk für im Ausland lebende Menschen, hat auf dem chinesischen Festland fast 50.000 Mitglieder, vor allem in Shanghai, Peking und Guangzhou. Seine Mission ist es, „Expats das Leben zu erleichtern“.

Der Mitgründer der Organisation, Malte Zeeck, sagte in einem Interview, die Unterscheidung zwischen „Expat“ und „Einwanderer“ sei ein sensibles Thema. Die Mitglieder kämen jedoch aus vielen Ländern der Welt; die meisten stammten aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Deutschland.

„Was die meisten dieser Menschen gemeinsam haben, sind höhere Qualifikationen, häufig ein Hochschulabschluss und die Absicht, für einen bestimmten Zeitraum ins Ausland zu gehen“, sagte er.

Auf Reisen in China stellte er außerdem fest, dass sich Mitglieder dort häufiger selbst als „Expats“ bezeichneten als Mitglieder in Europa.

Eine Umfrage von InterNations zeigte außerdem, dass Expats auf dem chinesischen Festland seltener Freundschaften mit Einheimischen schließen als in den meisten anderen Ländern – möglicherweise wegen „der kulturellen Kluft zwischen Expats und der lokalen Kultur“.

Shanghai Expat veröffentlichte kürzlich einen Artikel, dem zufolge Expats eine „öffentliche Blamage“ riskierten, wenn sie örtliche statt auf Expats ausgerichtete Krankenhäuser nutzten.

Nicht alle sehen darin eine Frage der ethnischen Zugehörigkeit. In einem Blog des Wall Street Journal verlieh die Journalistin und „globale Nomadin“ Ruchika Tulshyan dem Begriff mehr Nuancen als nur die Vorstellung einer reichen weißen Person, die ohne Integrationswillen ins Ausland zieht. „Die heutigen Expats kommen aus aller Welt, haben unterschiedliche Hintergründe und Hautfarben und möchten sich meist in die neue Gesellschaft integrieren, der sie sich angeschlossen haben“, sagte sie.

Der in Warschau lebende amerikanische Journalist Andrew Kureth bietet eine alternative Definition: „Ein Einwanderer sucht verzweifelt nach einem besseren Leben. Ein Expat erlebt ein Abenteuer.“

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Zuerst im offiziellen WeChat-Account ExpatRights veröffentlicht