Japans Haarpolizei an Oberschulen: Asahi über die Umfrage „57 % der Tokioter Oberschulen verlangen einen Nachweis der Haarfarbe“. Noch immer.
In den USA kann ein Verstoß gegen die Kleiderordnung etwa ein anstößiges T-Shirt oder einen Minirock betreffen. In Japan kann schon gefärbtes Haar zum Problem werden.
Laut einer neuen Umfrage der Tokioter Zeitung The Asahi Shimbun verlangen 57 Prozent der öffentlichen Oberschulen der Stadt von Schülern einen Nachweis, dass ihre Haarfarbe natürlich ist.

Die Maßnahme soll strenge japanische Standards für das äußere Erscheinungsbild durchsetzen: Viele japanische Schulen verbieten Schülern nicht nur Dauerwellen und Haarfärbungen, sondern schreiben auch ordentliche, respektable Kleidung vor und erlauben weder zu langes noch ungepflegtes Haar.
Der Asahi Shimbun zufolge galt eine solche Regel an 98 der 170 untersuchten Schulen. Im jüngsten Schuljahr mussten je nach Schule einige wenige bis mehrere Dutzend Kinder nachweisen, dass ihre Haarfarbe echt war.
„Manche Schüler bestehen darauf, dass ihre Haare naturbelassen seien, obwohl sie gefärbt sind“, sagte eine Lehrkraft der Asahi Shimbun. „Wir bitten ihre Eltern, diese Angaben in eigener Verantwortung zu bestätigen.“

Anders als die USA hat Japan eine relativ homogene Bevölkerung. Deshalb wird kulturell oft großer Wert auf Einheitlichkeit gelegt: Selbst geringe Abweichungen von der Norm fallen auf und stoßen in konservativeren Kreisen auf Kritik.
Die Tokioter Unternehmerin Natsuko Fujimaki sagt, hier komme das japanische Konzept majime ins Spiel. Der Begriff bezeichnet eine Vorliebe für Ordnung, Sauberkeit und häufig auch Perfektionismus. Eng damit verbunden ist der Wunsch, sich zurückhaltend und vernünftig zu verhalten.
„Sie versuchen, bei allem die Regeln einzuhalten“, sagte Fujimaki gegenüber Business Insider.
Zum Nachweis, dass die Haare eines Schülers naturbelassen sind, verlangen Schulen von den Eltern häufig Kinderfotos, auf denen die Haarfarbe zu erkennen ist. In weniger strengen Fällen müssen Eltern lediglich schriftlich und mit ihrer Unterschrift bestätigen, dass das Haar ihres Kindes in keiner Weise behandelt wurde.
Die Praxis ist nicht neu. Schon vor zehn Jahren verlangten manche Schulen von Schülern einen Nachweis, dass sie ihre Haare weder gefärbt noch gelockt hatten. In Extremfällen mussten sogar im Ausland geborene Schüler ihre Haare färben, um sich im Rahmen einer erzwungenen Assimilation an die übrige Schülerschaft anzupassen.
„Jede Woche prüften Lehrkräfte, ob Nicola ihre Haare braun färbte“, erzählte die in Brasilien geborene Schülerin Maria 2007 der Japan Times über ihre Schwester Nicola. „Obwohl sie sagte, dies sei ihre natürliche Haarfarbe, wurde sie angewiesen, die Haare zu glätten und schwarz zu färben. Das tat sie einmal pro Woche. Doch die Tortur traumatisierte sie. Bis heute ist sie wegen ihres Aussehens verunsichert.“
Haarfärbungen und Dauerwellen sind nicht die einzigen Schönheitsentscheidungen, die japanischen Kleidervorschriften unterliegen. Viele männliche Schüler dürfen weder stachelige oder unordentliche Frisuren tragen noch die Haare über die Augen oder den Kragen wachsen lassen. Manche Schulen verlangen von Schülerinnen, ihr Haar so zurückzustecken, „dass es den Unterricht nicht beeinträchtigt“, wie es eine Schulordnung formulierte.
Nach Angaben der Asahi Shimbun spielt Japans sinkende Geburtenrate bei diesen Regeln eine Rolle. Da weniger Schüler die Schulen füllen, konkurrieren öffentliche und private Schulen um die Aufmerksamkeit der Eltern. Eine Strategie besteht darin, strenge Haarregeln hervorzuheben und damit zu zeigen, wie majime – also ernsthaft und pflichtbewusst – sie Bildung behandeln. So hoffen sie, die Eltern mit ihrer Konsequenz zu beeindrucken.
Manche Kritiker halten die Verpflichtung, naturbelassenes Haar nachzuweisen, für einen Eingriff in die Privatsphäre der Schüler.
Befürworter argumentieren dagegen, das Verfahren komme den Schülern zugute: Ein einmaliger Nachweis könne verhindern, dass Schulleitungen ständig nachfragten, ob die Haare eines Kindes echt seien. Der anfängliche Nachweis bewahre die Kinder letztlich vor noch größerer psychischer Belastung.
Melden Sie jede Form von Belästigung an ExpatRights.
([email protected] oder schreiben Sie uns hier)
ExpatRights auf WeChat folgen

Für ein freundlicheres China

Beijing: ANTI-EXPAT-RAZZIA STEHT BEVOR
anklicken ⏬

