Nach mehreren Berichten über Gesetzesverstöße von Expats ist die Frage, wie China Ausländer behandeln sollte, zu einem kontroversen Thema geworden.
Ausländer in China müssen verdienen, was sie erhalten
Offizieller WeChat-Account: ExpatRights
Die in Jinan in Ostchina ansässige Shandong-Universität ordnete Berichten zufolge jedem internationalen Studenten drei „Buddies“ zu. Da viele dieser Buddies weiblich und die meisten ausländischen Partner männlich waren, kommentierten manche Internetnutzer, die Universität „besorge männlichen ausländischen Studierenden Freundinnen“.
Am 9. Juli wurde in Fuzhou in der ostchinesischen Provinz Fujian ein internationaler Student dabei angetroffen, eine weitere Person auf einem Elektroroller mitzunehmen. Als die Verkehrspolizei ihn ansprach, leistete er gewaltsamen Widerstand. Gegen den Studenten wurden jedoch keine Strafmaßnahmen ergriffen.
Am 10. Juli wurde außerdem das Personal der U-Bahn von Nanjing, der Hauptstadt Jiangsus, wegen selektiver Anwendung der Regeln kritisiert. Sowohl chinesische als auch ausländische Fahrgäste wurden beim regelwidrigen Essen im U-Bahn-Wagen angetroffen; Berichten zufolge erhielt jedoch nur der chinesische Fahrgast eine Verwarnung.
Mit dem wachsenden Nationalbewusstsein und Stolz vieler Chinesen wurden diese zu unterschiedlichen Zeiten und an verschiedenen Orten geschehenen Vorfälle miteinander verknüpft und lösten eine Welle des Unmuts aus. Viele Chinesen beklagen, Ausländer in China erhielten eine „übernationale Behandlung“ und sogar Privilegien außerhalb des gesetzlichen Rahmens.
Aus historischen Gründen und aufgrund einer sich wandelnden sozioökonomischen Struktur genießen andere Länder bei vielen Chinesen hohes Ansehen, und Angelegenheiten mit Ausländern werden ernst genommen. Vor einigen Jahrzehnten waren in dem damals weniger entwickelten Land nur wenige Ausländer zu sehen. Die gastfreundliche chinesische Bevölkerung wollte daher jedem Gast besondere Höflichkeit erweisen. Eine gewisse Sonderbehandlung von Ausländern galt in China lange als selbstverständlich.
Betrachten wir die Haltung mancher chinesischer Dienstleister gegenüber Ausländern. Im Dezember 2018 wurde berichtet, dass ein chinesischer Kunde bei einem Pekinger Bikesharing-Unternehmen vergeblich eine Erstattung verlangte. Als er jedoch eine E-Mail schrieb und sich als Ausländer ausgab, wurde seiner Forderung fast sofort entsprochen.
Zurück zu den internationalen Studierenden: Das „Buddy-Programm“ der Shandong-Universität ist kein Einzelfall. Chinesische Hochschulen stellen ausländischen Studierenden häufig besondere Wohnheime und Mensen zur Verfügung, die gemeinhin als deutlich besser gelten als die Angebote für einheimische Studierende.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Da mehr Expats in China leben, kann die Unterwürfigkeit mancher Menschen gegenüber Ausländern Unmut und gesellschaftliches Unbehagen hervorrufen.
Die Fälle in Fuzhou und Nanjing sind Beispiele. Um der Begeisterung vieler chinesischer Eltern für Muttersprachler auf dem Markt für Englischunterricht entgegenzukommen, stellen manche chinesische Schulen und Einrichtungen zudem ausländische Lehrkräfte ohne Hintergrundprüfung ein und ignorieren Erfahrung und Bildungsabschlüsse. Offenbar zählt vor allem der Reisepass. Dies hat ein problematisches Umfeld geschaffen und manchen Ausländern die Möglichkeit gegeben, Schlupflöcher auszunutzen.
Manche Ausländer, die in China bevorzugt behandelt werden, wären in ihren eigenen Gesellschaften möglicherweise wegen unerwünschten Verhaltens zur Rechenschaft gezogen worden. Selbst Gesetzesflüchtige haben bekanntermaßen Stellen als Englischlehrer in China gefunden.
Der Brite Neil Robinson, der wegen früherer Sexualstraftaten zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden war, hatte mehrere Jahre als Lehrer in Peking gearbeitet, berichtete die BBC 2014. Auch Daniel William Hiers, ein wegen sexueller Nötigung und Mordes angeklagter flüchtiger US-Amerikaner, wurde als Englischlehrer an einer chinesischen Hochschule entdeckt.
Solche „Privilegien“ können nur der chinesischen Bevölkerung und dem internationalen Ansehen des Landes schaden. Empörung darf jedoch nicht in Feindseligkeit umschlagen. Die große Mehrheit ausländischer Freunde versteht die Vergünstigungen als chinesische Art, sich für ihren Beitrag zum Land zu bedanken. Wir sollten weder fremdenfeindlich noch ausländerfixiert sein. Als aufstrebende Macht, die sich weiter öffnen möchte, muss China eine faire und gleichberechtigte Behandlung von Ausländern lernen.
