Berichte über verschwundene Englisch-Nachhilfezentren, die Kunden um Vorauszahlungen von Tausenden Yuan brachten, verbreiteten sich in den vergangenen Monaten wie ein Lauffeuer im chinesischen Internet.
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Die Beamten in Shanghai wollten die konkrete Zahl der von ihrer Abteilung bearbeiteten Fälle nicht nennen, bezeichneten dies jedoch als „ein in diesem Jahr neu auftretendes Phänomen“.
Die Schließungswelle überraschte viele. Der Markt für Englischunterricht hatte zuvor geboomt, weil immer mehr ehrgeizige Eltern ihren Kindern durch Privatunterricht ab drei Jahren einen Vorsprung verschaffen wollten. Das Beijinger Forschungsunternehmen Bosi Data Research Center prognostizierte für 2020 einen Marktwert von 220 Milliarden Yuan, gegenüber 104 Milliarden im Jahr 2015. Doch zunehmender Wettbewerb und staatliches Vorgehen gegen rechtswidrige Praktiken stürzten die Schulen in diesem Jahr in eine Krise.
Im Oktober erschütterte die Insolvenz von Web International English die Branche. Das Unternehmen gehörte mit 154 Schulen in 62 Städten zu den bekanntesten Englischbildungsanbietern des Landes. Die Ankündigung löste eine Vertrauenskrise bei Eltern und Investoren aus, die bald weitere Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten zog.
Binnen weniger Wochen musste Happy Goal Kids Education, eine ehemalige Tochtergesellschaft von Web International, sämtliche Standorte schließen. Als wesentlichen Grund nannte das Unternehmen den Zusammenbruch von Web International: Potenzielle Teilnehmer wollten aus Angst vor einer Insolvenz keine Kurse mehr im Voraus bezahlen, während bestehende Schüler die Erstattung ihrer Vorauszahlungen beantragten.
Viele andere Unternehmen erlitten ein ähnliches Schicksal. Zwar gibt es keine umfassenden Daten zur Zahl geschlossener Schulungseinrichtungen, doch der chinesische Nachrichtendienst der Risikokapitalbranche PEdaily.cn ermittelte für 2019 mehr als 20 Fälle, in denen außerschulische Bildungsunternehmen aus finanziellen Gründen schlossen.
Die chinesische Regierung startete im August 2018 eine Kampagne gegen Unregelmäßigkeiten in der Englischbildungsbranche, durch die weitere Unternehmen vorübergehend oder dauerhaft schließen mussten. Laut Bildungsminister Chen Baosheng hatten die Behörden bis März dieses Jahres mehr als 401.000 Schulungsorganisationen untersucht und bei 273.000 davon rechtswidrige Praktiken festgestellt.
Die Untervermietung von Lizenzen ist nach Angaben von Brancheninsidern im chinesischen Bildungsmarkt verbreitet, aber fragwürdig. Sie ist zwar nicht ausdrücklich illegal, gilt im derzeitigen Umfeld jedoch als riskant.
