Zwei Drittel der ausländischen Lehrkräfte arbeiten illegal!?
Neue Richtlinien richten sich gegen unseriöse Vermittlungsagenturen
Mohsine el Baghdadi wollte schon immer Englischlehrer in China werden, weil er eine solche Stelle für ideal hielt.
Offizieller WeChat-Account: ExpatRights
Ein Freund, der in China Englisch unterrichtet hatte, erzählte dem 27-jährigen Marokkaner, ausländische Lehrkräfte seien sehr gefragt, die Möglichkeiten nahezu unbegrenzt und die Stellen gut bezahlt.
Baghdadis eigene Erfahrung bestätigte dies. Nachdem er auf Facebook geschrieben hatte: „Hallo aus Marokko. Ich bin Englischlehrer und suche in China eine gute Stelle mit gutem Gehalt“, gingen zahlreiche Antworten ein.
Viele Antworten waren Stellenangebote von Vermittlungsagenturen, andere kamen von Sprachschulen. Meist wurde Baghdadi erklärt, eine Bewerbung in China sei unkompliziert; es genüge, einen Lebenslauf einzureichen.
Auch das Gehalt war verlockend. Baghdadi unterrichtet in Marokko Englisch und verdient dort 500 US-Dollar im Monat. Die Interessenten aus China boten ihm dagegen ein Monatsgehalt von 1.500 bis 2.500 US-Dollar zuzüglich Bonus.
Einige der Antwortenden schienen jedoch allzu erpicht darauf, ausländische Lehrkräfte einzustellen. Baghdadi zufolge erhielt er sogar „illegale Ratschläge“ dazu, wie er eine Stelle bekommen könne.
Nach den Vorschriften über Arbeitserlaubnisse für ausländische Fachkräfte müssen ausländische Sprachlehrkräfte in China ein Arbeitsvisum besitzen, Muttersprachler sein, mindestens einen Bachelorabschluss sowie zwei Jahre einschlägige Lehrerfahrung haben und dürfen nicht vorbestraft sein.
Damit könnte Baghdadi, der kein englischer Muttersprachler ist und nicht über genügend Erfahrung im Englischunterricht verfügt, möglicherweise nie als Lehrer in China arbeiten.
„Aber einige Vermittlungsagenturen sagten mir, sie könnten mir bei der Beantragung eines chinesischen Geschäftsvisums helfen und ich könne in China Lehrer werden, komme, was wolle“, sagte er.
Englischunterricht ist in China ein lukratives Geschäft. Seit sich das Land der Welt öffnet, wollen immer mehr Menschen die „Weltsprache“ lernen. Ausländern können ihre Staatsangehörigkeit und bisweilen sogar ihre Hautfarbe den Zugang zu einer Lehrstelle eröffnen.
Einem Bericht der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften aus dem Vorjahr zufolge lernten 300 Millionen Menschen in China Englisch. Im Land gab es 50.000 Englisch-Sprachschulen, und der Weiterbildungsmarkt hatte laut dem Bericht einen Wert von bis zu 500 Milliarden Yuan (72 Milliarden US-Dollar).
Aufgrund der hohen Nachfrage nach Englischunterricht war die Stellensuche für die meisten Ausländer, insbesondere für Weiße, kaum mehr als eine Formalität.
Laut einer Umfrage von Banyuetan, einer Zeitschrift der Nachrichtenagentur Xinhua, arbeiteten 2017 mehr als 400.000 ausländische Lehrkräfte im chinesischen Bildungssektor, doch nur ein Drittel von ihnen war legal beschäftigt.
In den vergangenen Jahren erschütterten mehrere öffentlichkeitswirksame Skandale das Land, die auf mangelnde Sorgfalt bei der Einstellung ausländischer Lehrkräfte zurückgingen. In einigen Fällen erhielten Personen mit fragwürdigem Hintergrund eine Stelle.
Die Lage sollte sich jedoch bald ändern. Am 15. Juli veröffentlichte das Bildungsministerium gemeinsam mit fünf weiteren Zentralbehörden neue Richtlinien für außerschulische Bildungsangebote. Darin wurden die erforderlichen Qualifikationen, Anforderungen und Aufsichtsmaßnahmen festgelegt.
Die Richtlinie schreibt vor, dass Bildungseinrichtungen persönliche Angaben zu ihren ausländischen Lehrkräften öffentlich ausweisen müssen, darunter Namen, Fotos, Lehrqualifikationen sowie bisherige akademische und berufliche Erfahrungen.
Die Einrichtungen müssten etwaige „Probleme“ bis Ende Juni des folgenden Jahres beheben. Andernfalls drohten laut Richtlinie Sanktionen von Geldbußen bis hin zur vorübergehenden oder dauerhaften Schließung.
